Kleinod inmitten der Stadt

Unser April-Spaziergang war ein etwas anderer, denn zunächst besuchten wir das Herbarium der Universität Leipzig, danach erst wandelten wir durch den Botanischen Garten.

Das Leipziger Herbarium zählt weltweit zu den traditionsreichsten, es ist das älteste Universitätsherbarium Deutschlands. In den hellen, modernen Räumen lagern kartonweise botanische Sammlungen. Durch die führte uns Dr. Peter Otto, der Kurator des »Herbarium Universitatis Lipsiensis« –  sachkundig und kurzweilig! So erfuhren wir u.a., dass die alten Bestände den Kriegseinwirkungen 1943 zum Opfer fielen, seit 1947 aber kontinuierlich ca. 150.000 Belege – etwa ein Drittel davon einheimische – wieder im Herbarium angesammelt wurden, vorrangig von Wissenschaftlern der Uni Leipzig. Sehr interessant war für uns Teilnehmer zu erfahren, dass nicht nur gepresste und aufgeklebte Pflanzen zum Herbarium gehören, sondern auch gegenständliche Proben wie Pilze, Früchte und andere Pflanzenteile. Der Sammelleidenschaft von Dr. Otto ist es auch zu verdanken, dass in den Räumen des Herbariums immer noch auseinandernehmbare Lehrmodelle von Blüten ihren Platz haben, die von der Firma Osterloh-Modelle aus dem Raum Leipzig hergestellt wurden und noch in vielen Schul- und Hochschulsammlungen genutzt werden. Die Führung verging wie im Fluge, da Dr. Otto immer wieder Anekdoten einflocht, z.B. wurden in der Knopfstadt Schmölln (eine unserer Bildungsreisen führte übrigens im Oktober 2017 dorthin) Knöpfe aus besonders harten Palmensamen, hart wie Elfenbein, hergestellt; wir konnten sie mit eigenen Händen und Augen bewundern.

Aktive Senioren Leipzig besuchen Kleinod Herbarium Uni Leipzig
Spaziergänge mit den Aktiven Senioren Leipzig – Besuch des Herbariums der Universität Leipzig

Herr Otto freut sich besonders über ältere Besucher, weil diese sich sehr interessiert zeigen und aufmerksam zuhören. Bei den Studenten sei das heutzutage bißl anders. Die mögen oft lieber durchs Mikroskop schauen als Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum zu studieren … Nach reichlich 90 min wurde die Führung »abgebrochen«, da ja noch der Spaziergang im Botanischen Garten geplant war. Simone Böhme erklärte uns also in der freien Natur des Botanischen Gartens sachkundig vor allem die verschiedenen Arten von Magnolien, die gerade in voller Blüte standen. Im Alpinum des Gartens fanden Pflanzen der Alpen und anderer Gebirge Eurasiens ein neues Zuhause. Frau Böhme wies auf deren Anpassungsfähigkeiten hin, z.B. durch kleine Blätter, Behaarung oder Wachsschichten…

Das Wetter war phantastisch, und so verging unbemerkt eine weitere Stunde in diesem Kleinod mitten in der Stadt. R.T.

PS: Zuletzt entdeckten wir noch die neu eingerichtete Ecke im Botanischen Garten mit Hochbeeten und Insektenhotels – eine wichtige Anregung zum Nachmachen im eigenen Garten.