»Die StoryBox« beim ASL

Dokumentarfilmer Luke Gribble aus Neuseeland mit seiner StoryBox ür zehn Tage im Sport- und Begegnungszentrum in Leipzig-Paunsdorf

Für knappe zwei Wochen machte im Juni die StoryBox des Neuseeländers Luke Gribble bei uns im Sport- und Begegnungszentrum Döllingstraße 31 Station. Der junge Dokumentarfilmer setzt sich in diesem Projekt mit dem Thema Flucht auseinander. Wie seinen Begleittexten zu entnehmen, ist uns allen dieses Thema hinlänglich bekannt. Viele wollen nichts mehr davon hören, und dennoch beschäftigt es Europa massiv, weil der Umgang mit dem Thema Flucht noch immer auf eine Lösung wartet. Mit seiner Form künstlerischer Auseinandersetzung bringt Luke Gribble uns dieses erschreckend wieder ins Bewusstsein.

Was hat es auf sich mit der StoryBox?

Erzählt wird in der filmischen Collage über die Flucht eines Irakers, der in seiner Heimat den Krieg erlebt und lange Zeit versuchte, im Land zu bleiben. Er und seine Familie beschlossen, wenigstens ihn in ein sichereres Land zu schicken.
Mit kurzen Filmsegmenten und Erzähltexten, einzelnen Bildern, Texteinblendungen und musikalischen Abschnitten ohne Bildbegleitung schuf Luke Gribble eine zwanzigminütige Collage.

Zunächst »wagten« sich Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder in diesen dunklen Kasten. Nach ihren Kursstunden in Sport und Kultur nahmen sich dann auch viele unserer Mitglieder die Zeit, um den Beitrag auf sich wirken zu lassen:

Dazu muss ich mich in eine gezimmerte, nicht sehr hohe Box, ähnlich einer Transportkiste begeben. Diese ist nur mit dem Notwendigsten ausgestattet: einem Sitzbrett, ausreichend für zwei Personen, einem Bildschirm und Lautsprechern. Innenwände und Decke sind mit dickem dunklem Schaumstoff verkleidet. Nichts dringt mehr nach außen, nichts von außen kann innen wahrgenommen werden. So könnte es sich anfühlen, wenn ich tagelang in einem dunklen verschlossenen Lkw verharren muss, der mich, so hoffe ich, an ein lebenswerteres Ziel bringen wird???
Ich bin jetzt ganz allein mit dem, was auf dem Bildschirm gezeigt wird und was an meine Ohren dringt. Allein mit mir, meinen Gedanken, meinen Empfindungen. Genau dies ist die Intension des Filmemachers.

Vereinzelt kamen die Älteren mit gemischten Gefühlen wieder heraus. Haben sie nach dem Zweiten Weltkrieg doch als Kinder oder Jugendliche selbst Vertreibung oder Flucht erleben müssen. Mit nur Wenigem mussten sie aus ihrer Heimat in fremde Orte, in denen sie oft nicht willkommen waren.

Der Neuseeländer Luke Gribble, der seit fünf Jahren in Leipzig lebt, stellt auch Papier und Stift zur Verfügung für Anregungen, Meinungen, Äußerungen zu Inhalt und Form, die jeder, der will, in eine bereitgestellte Zettelbox, auf Wunsch anonym, stecken kann. Er möchte ins Gespräch kommen, sich austauschen, Anregungen aufnehmen für seine zukünftige Arbeit.
Und er will uns zum Nachdenken anregen über die weltumspannende Problematik Flucht, Vertreibung, Aufnahme, Annahme. Wie stehe ich als Einzelner dem Thema gegenüber, wie würde ich entscheiden, wie würde ich mich fühlen, wenn ich mein Land verlassen muss, wenn ich in Lagern auf Entscheide warten muss, wenn ich auf massive Ablehnung stoße, wenn ich jahrelang verharre, bis Behörden über mein Schicksal entscheiden und ich trotz guter Ausbildung nicht arbeiten darf.

Es war gut, dass sich unser Vorstand rasch bereit erklärte, die StoryBox bei uns verweilen zu lassen. So konnten wir ins Gespräch kommen mit dem Künstler, mit Vertretern des Leipziger Amtes für Stadterneuerung, Stadtplanern und Berliner Mitarbeiterinnen der Bundestransferstelle Soziale Stadt, die dieses Projekt unterstützen.
Sollten Sie demnächst der  Box begegnen, nehmen Sie sich die halbe Stunde Zeit, setzen Sie sich hinein, lassen Sie den Beitrag auf sich wirken und machen Sie sich Ihr eigenes Bild.
Nächste Station der StoryBox wird Anfang September 2018 gegenüber der Mockauer Post sein.